Kitzbüheler Sommerkonzerte


Review

Kitzbüheler Anzeiger

Aug. 13, 2026

Musik verbindet Generationen

Das „aron quartett" und der Kitzbüheler Kontrabassist Johannes Gasteiger sorgten beim zweiten Abend der Kitzbüheler Sommerkonzerte für ein besonderes kammermusikalisches Erlebnis. Auf dem Programm standen Werke von Joseph Haydn, György Kurtág und Antonín Dvořák – und zugleich kam es zu einem Wiedersehen mit bemerkenswerter Geschichte.

Schon vor dem ersten Ton zeigte sich der Sommer von seiner schönsten Seite. Zahlreiche Konzertbesucherinnen und Konzertbesucher nutzten das prächtige Wetter, um sich bei einem Aperitif auf der Terrasse der Landesmusikschule auf den Abend einzustimmen. Eine entspannte Atmosphäre, die bestens zu jenem Konzert passte, das unter dem Titel „Quartett mit Kontrabass“ ganz im Zeichen großer Kammermusik stand.

Den Auftakt bestritt das aron quartett mit Joseph Haydns Streichquartett in F-Dur op. 77/2. Das 1799 entstandene Werk gehört zu Haydns letzten vollendeten Streichquartetten und zeigt den großen Meister der Gattung noch einmal auf der Höhe seiner Kunst. Kontrastreiche Themen, feine Lyrik und immer wieder überraschende musikalische Wendungen prägen das Werk. Besonders im rhythmisch pointierten Finale zeigt sich jene Bewegungsfreude, mit der Haydn bereits weit in die musikalische Zukunft weist.

Einen spannenden Kontrast dazu bildeten drei Stücke aus György Kurtágs „6 Moments musicaux“ op. 44. Kurtág, einer der bedeutenden Meister musikalischer Miniaturen, verdichtet seine Gedanken auf kleinstem Raum. Mit „Invocation“, „Capriccio“ und „Les Adieux“ präsentierte das aron quartett drei dieser musikalischen Momentaufnahmen. Gerade in der Gegenüberstellung mit Haydns klassischer Formensprache wurde die enorme Ausdrucksbreite des Streichquartetts hörbar.

Das „aron quartett" überzeugte dabei mit großer Präzision und ebenso großer Spielfreude, die den vier Musikern sichtlich anzumerken war. Das Ensemble wurde von Ludwig Müller, Barna Kobori, Georg Hamann und Christophe Pantillon gegründet und hat sich längst international einen Namen gemacht. Konzertreisen führten es durch zahlreiche europäische Länder und bis in die Carnegie Hall in New York.

Für den dritten großen Programmpunkt wurde aus dem Quartett schließlich ein Quintett: Johannes Gasteiger ergänzte das Ensemble am Kontrabass. Der gebürtige Kitzbüheler studierte in Innsbruck und Salzburg und ist seit Jahrzehnten als Musiker unter anderem bei den Salzburger Festspielen, im Mozarteumorchester Salzburg, bei der Camerata Salzburg und im RSO Wien tätig. In Kitzbühel ist er zudem als Obmann der Kitzbüheler Musikfreunde eng mit dem heimischen Kulturleben verbunden.

Mit Antonín Dvořáks Streichquintett in G-Dur op. 77 stand nun ein Werk auf dem Programm, das gerade durch seine seltene Besetzung für Streichquartett und Kontrabass eine Sonderstellung einnimmt. Dvořáks melodischer Reichtum verbindet sich darin mit großer rhythmischer Energie und böhmischem Temperament. Vom kraftvollen Kopfsatz über das dramatische Scherzo und das lyrische Andante bis zum temperamentvollen Finale bot das Werk den fünf Musikern reichlich Gelegenheit, ihre gemeinsame Klang- und Gestaltungsfreude auszuspielen.

Dabei hatte diese Besetzung in Kitzbühel auch eine ganz besondere historische Dimension: Ludwig Müller und Georg Hamann standen bereits vor 38 Jahren bei den Kitzbüheler Sommerkonzerten auf der Bühne. Im selben Jahr hatte auch Johannes Gasteiger seinen ersten Einsatz bei der Konzertreihe. Fast vier Jahrzehnte später musizierten sie nun wieder gemeinsam bei den Sommerkonzerten – eine schöne Verbindung zwischen Vergangenheit und Gegenwart der traditionsreichen Konzertreihe. 

Das Publikum dankte den Musikern für den abwechslungsreichen und mitreißenden Abend mit begeistertem Applaus. Ohne Zugabe ließ man das Ensemble nicht von der Bühne. So endete ein Konzert, das nicht nur musikalisch überzeugte, sondern zugleich eindrucksvoll zeigte, wie sehr die Kitzbüheler Sommerkonzerte von langjährigen künstlerischen Verbindungen und persönlichen Geschichten leben.

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