Rezensionen
von Dr. Rudi Frühwirth for Klassik begeistert
21. Februar 2026
Klassik-begeistert 21. Februar 2026
Budapest huldigt György Kurtág zum hundertsten Geburtstag
György Kurtág: Six Moments Musicaux, op. 44
Franz Schubert: Streichquintett C-Dur, D 956
aron quartett
Ludwig Müller, 1. Violine
Barna Kobori, 2. Violine
Georg Hamann, Viola
Christophe Pantillon, Violoncello
Péter Szabó, Violoncello
Kleiner Saal des Dohnányi Ernő Music Center, Budapest, 19. Februar 2026
von Dr. Rudi Frühwirth
Zum Auftakt des intimen Kammerkonzerts eröffneten die Gäste aus Wien mit György Kurtágs „Six Moments Musicaux“ op. 44 das Programm zu Ehren des Jubilars. Dieses Werk entstand vor rund zwanzig Jahren als Pflichtstück für einen Streichquartett-Wettbewerb (Bordeaux 2005) und besticht durch seine radikale Reduktion auf das Wesentliche.
Es fordert Spieler wie Zuhörer zu äußerster Konzentration heraus – eine Anforderung, die reich belohnt wird: In den sechs kurzen, aphoristischen Sätzen loten die vier Streicher auf faszinierende Weise die gesamte Bandbreite ihrer Klangmöglichkeiten aus. Erstaunlich, wie viel Ausdruck und emotionale Tiefe sich in diesen knappen Momenten entfaltet. Kurtágs Musik entspringt wahrhaft der Stille und kehrt in sie zurück. Das Ensemble, mit den Werken der Zweiten Wiener Schule wohl vertraut, gelangte zu einer kongenialen, höchst sensiblen Interpretation, die beim Publikum einhellige Begeisterung und Zustimmung hervorrief.
Beim Begriff „Moments Musicaux“ liegt der Gedanke an Schubert besonders nahe – und so schloss das leider allzu kurze Konzert folgerichtig mit dessen Streichquintett C-Dur D 956, einem der zentralen und unverzichtbaren Werke der gesamten Kammermusikliteratur. Der ungarische Cellist Péter Szabó erwies sich als ideale Ergänzung: Mit seinem warmen, tragfähigen Ton trug er maßgeblich zu dem dichten, klanglich vielschichtigen und fast orchestralen Gesamtbild bei, das dieses Quintett so einzigartig macht. Im perfekten Zusammenspiel der fünf exzellenten Musiker entfaltete sich eine kraftvolle, von großer dynamischer Spannweite geprägte Interpretation. Besonders die schmerzhaften harmonischen Reibungen mancher Passagen wurden bewusst und mit intensiver Ausdruckskraft herausgearbeitet, ohne je ins Übertriebene zu kippen. Der lebhafte Beifall des Publikums dankte den Interpreten für diesen eindringlichen Abend.